1.2 Regeln für die plattdeutsche Rechtschreibung

Vereinbart im Jahr 1956 in Hamburg auf Veranlassung und unter Mitwirkung der Fehrs-Gilde zwischen Vertretern aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Oldenburg und aktualisiert von der Fehrs-Gilde im Jahr 2002:

  1. Es werden nur solche Schriftzeichen verwandt, die auch im Hochdeutschen gebräuchlich sind.

  2. Der Apostroph tritt auf

    1. bei verkürzten Artikeln, z.B. den = an'n Haven am Hafendat an/bi’t Studeren am/beim Studieren, de = an’e Kark an der Kirche, en = ’n beten ein bisschen

    2. bei verkürzten Pronomen, z.B. ik = dat kann 'k nich das kann ich nicht, se = dat will s’ nich das will sie nichteen und man = dat schall 'n nich das soll man nicht 

    3. bei anderen Verkürzungen nur in direkter Rede, z.B. „Mit’nanner is beter as gegen’nanner“ „Miteinander ist besser als gegeneinander“

    4. zur Silbenkennzeichnung, z.B. de ne'e/nie'e Hoot der neue Hut, de russ’sche Winter der russische Winter.

  3. Das Dehnungs-h steht nur in solchen Wörtern, deren hochdeutsche Entsprechungen es enthalten, z.B. Stohl Stuhl, Lehrer/Lihrer Lehrer, Koh Kuh. 

  4.  

    1. Endsilben werden ausgeschrieben, z.B. hebben haben, Menen Meinung.

    2. Das Konjugations-t nach auslautendem t-Laut wird jedoch nicht mitgeschrieben, z.B. wi smiet wir schmeißen/werfen wie ik smiet ich schmeiße/werfe, he sett er setzt und wi sett wir setzen wie ik sett ich setze. Das gilt auch nach auslautendem -dd, z.B. he lidd er leidet, wi pedd wir treten.

    3. Eventuelle Abschleifungen, z.B. des t und d, werden möglichst nicht berücksichtigt, z.B. du büst du bist, Böst Bürste, Nacht Nacht, Steed Stätte, ik baad ich bade, Lüüd Leute. Das gilt auch, wenn der Auslaut in den Inlaut gerät, z.B. Bösten Bürsten, Nachten Nächte, Steden Stätten, wi baden wir badeten.

  5.  

    1. Die Länge des Vokals in offener (d.h. mit einem Vokal endender) Silbe wird nicht bezeichnet, z.B. Straten Straßen, es sei denn, dass die entsprechende hochdeutsche Form ein Dehnungs-h hat, z.B. Sahlen Sohlen.

    2. Das lange i in offener Silbe wird ie geschrieben, z.B. kriegen kriegen, bekommen, nie neu, sofern nicht in der hochdeutschen Entsprechung ein einfaches i steht, z.B. Bibel Bibel, oder ein Dehnungs-h steht, z.B. Lihrer Lehrer, s. Ziffer 3.

  6.  

    1. Die Länge des Vokals in geschlossener (d.h. mit einem Konsonanten endender) Silbe wird durch Verdopplung des Vokals bezeichnet, z.B. Straat Straße, und bei i durch ie signalisiert, z.B. Tiet Zeit.

    2. Auch die Umlaute ä, ö, ü unterliegen der Verdopplung, z.B. dääglich täglich, Bööm Bäume, Schüün Scheune.

    3. Die Verdopplung entfällt jedoch, wenn ein Dehnungs-h zu setzen ist, z.B. Hahn Hahn, oder wenn ein kurzer, vor r stehender Vokal durch e-Abfall lang wird, z.B. Sorg Sorge.

  7. Monophthongisches und diphthongisches e und ö werden im Schriftbild nicht unterschieden, z.B. Deel (monophthongisch = Diele und diphthongisch = Teil), ferner Köök (monophthongisch = Küche) und gröön (diphthongisch = grün).

  8. In kurzen, wenig betonten Wörtern und in unbetonten Suffixen unterbleibt die Verdopplung, z.B. blot nur, aber bloot nackt, gor gar, sehr, aber goor gar, gekocht, los los, aber loos lose, wol wer, aber woll wohl, ferner dor dort, för für, mal mal, ok auch, vör vor, ut aus, auch -bor -bar, -sam -sam, -dom -tum, ebenso in en ein als unbestimmter Artikel, aber een ein als Zahlwort.

  9. Das auslautende diphthongische (volltonige) e wird, falls es nicht durch ein h als lang bezeichnet wird, verdoppelt, z.B. Snee Schnee, dree drei, Snackeree Gerede.

  10. Kürze des Vokals wird durch Verdopplung des nachstehenden Konsonanten bezeichnet, falls nicht eine Konsonantenverbindung folgt, z.B. Katt Katze, Kopp Kopf, Snack Spruch/Gespräch, gramm gram, Küll Kälte, Hoff Hof. Das Konjugationssuffix wird dabei nicht dem vorhergehenden Konsonanten zugerechnet, z.B. du bliffst du bleibst, he gifft er gibt.

  11. Bei kurzen, wenig betonten Wörtern tritt die Verdopplung nicht ein, z.B. af ab, as als, al schon, bet bis, bün bin, düt dies, ik ich, sik sich, op auf, wat was.

  12. d und t sowie g und ch im Auslaut richten sich in der Schreibung nach dem Hochdeutschen, z.B. goot gut, root, rot, Bruut Braut, Tiet Zeit, Bett Bett, Gott Gott, aber Kind Kind, Kleed Kleid, Hund Hund, Dag Tag, Tog Zug, weg weg.

  13. Anlautendes v oder f entspricht dem Hochdeutschen, z.B. vör vor, för für, aber nach allgemeinem Brauch schreibt man Voss Fuchs.

  14.  

    1. Der stimmhafte v/b-Laut wird, wenn er als Reibelaut gesprochen wird, v, wenn er als Explosivlaut (klares) b gesprochen wird, b geschrieben, z.B. drieven/drieben treiben, Bedrieven/Bedrieben Betriebe, auch wi drievt/driebt wir treiben.

    2. Nach kurzem Vokal tritt Stimmlosigkeit ein, und man schreibt ff, z.B. he drifft er treibt.

  15.  

    1. Die Schreibung v oder f im Auslaut richtet sich nach der Aussprache, z.B. Überlänge in Leev Liebe, aber einfache Länge in leef lieb, Bedrief Betrieb, fief fünf, scheef schief, Wief Weib.

    2. Konjugationsformen von Verben mit dem stimmhaften v/b-Laut, z.B. drieven/drieben treiben, arven/arben erben, werden jedoch auslautend stets mit v geschrieben, z.B. ik driev ich treibe, ik arv ich erbe, he dreev er trieb, he arv er erbte.

  16. w steht nur im Anlaut, z.B. Water Wasser, swümmen schwimmen. Verbreitetem Schreibgebrauch folgend schreibt man aber inlautend w in ewig ewig.

  17. g und gg bleiben in der Flexion unverändert, auch wo sie in der Aussprache zu ch wechseln (am Wortende und vor t), z.B. seggen – he seggt sagen – er sagt, stiegen – he stiggt steigen – er steigt, mögen – he mag mögen – er mag.

  18. Verbreitetem Schreibgebrauch folgend schreibt man Büx Hose, Ext Axt, fix fix, Hex Hexe, Lex Lektion, nix nichts.

  19. Fremdwörter schreibt man nach der hochdeutschen Schreibweise, wenn sie nicht typisch anders als im Hochdeutschen ausgesprochen werden, z.B. Garaasch Garage, Natschoon Nation.

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