3.1.5.1 Subjektsprädikativ (Artergänzung zum Satzgegenstand)

Das Prädikativ bezieht sich inhaltlich auf das Subjekt des Satzes.

  1. Substantiv/Nomen im Nominativ (Hauptwort/Namenwort im 1. Fall)

    1. In den folgenden Beispielen stellen Theoloog, Muskant un Dokter bzw. Bröder das Prädikativ dar. Es besteht aus einem Substantiv/ Nomen in der Form des Nominativs. Es bezieht sich auf das Subjekt Albert Schweitzer bzw. Frederik, Yannick un Loris.

      Albert Schweitzer weer Theoloog, Muskant un Dokter.
      Albert Schweitzer war Theologe, Musikant und Arzt.
      Frederik, Yannick un Loris sünd Bröder.
      Frederik, Yannick und Loris sind Brüder.

    2. Sustantiviertes/nominalisiertes Adjektiv, Adjektiv als Attribut

      Die folgenden Sätze zeigen: Das Subjektsprädikativ Griesen trägt nicht das zu erwartende nominative Suffix -er -er. Das Gleiche gilt für das Attribut goden. Hier ist das -er im Niederdeutschen abgefallen. Als Ersatz steht das nichtnominative Suffix -en.

      He is en Griesen.
      Er ist ein (Grieser =) Durchtriebener.
      He is en goden Fründ.
      Er ist ein guter Freund.

      Hinweis:
      Im Landesteil Schleswig außer einem südlichen Bereich (wie auch in Ostfriesland und Ostelbien) gilt allerdings stets der „Einheitsfall“, s. hier), also im Maskulinum Singular Nominativ und Nichtnominativ z.B. He is en Griese. He is en gode Fründ.

    3. Enthält das Subjektsprädikativ ein Substantiv/Nomen, so kann das Subjekt kennzeichnend niederdeutsch zum Präpositionalattribut mit vun (nachgestellte Beifügung mit dem Verhältniswort vun) werden. Den Platz des Subjekts nimmt dann ein Pronomen ein, z.B.

      De Jung is en Slüngel. > He is en Slüngel vun Jung.
      Der Junge ist ein Schlingel.
      De Keerl is en Baas. > He is en Baas vun Keerl.
      Der Mann ist ein Held.

  2. Adjektiv

    Das Subjektsprädikativ kann auch ein Adjektiv sein, z.B.

    De Katt(Subjekt) is tamm (Subjektsprädikativ).
    Die Katze ist zahm.

  3. Adverb

    Das Subjektsprädikativ kann auch ein Adverb sein, z.B.

    He is al dor.
    Er ist schon da.
    Dat warrt mi över.
    Das wird mir zuviel.
    Dat is ut.
    Es ist aus.

  4. Partizip Präsens

    Um ein (wegen des d-Abfalls nicht sichtbares) Partizip Präsens von vermoden vermutend, verwachten erwartend, verlangen1/verlangt1 verlangend handelt es sich in Sätzen mit sien/wesen/ween sein. Diese Ausdrucksweise ist nicht mehr sehr verbreitet, aber im Hochdeutschen ohne Entsprechung, insoweit kennzeichnend niederdeutsch. Sie ist übrigens mit der englischen Verlaufsform (I am dancing) zu vergleichen.

    Anmerkung 1:
    Beide Formen sind aus mittelniederdeutschem verlangend entstanden.

    Dat is he (sik) nich vermoden wesen/ween/west.
    Das hat er nicht vermutet.
    Dat bün ik (mi) nich verwachten wesen/ween/west.
    Das habe ich nicht erwartet.
    Japan is verlangen, dat Walen wedder fungen warrn dörvt.
    Japan verlangt, dass Wale wieder gefangen werden dürfen.
    Se köönt dat nich verlangt sien/wesen/ween.
    Sie können das nicht verlangen.

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