2.1.11 Unpersönliche Verben (Zeitwörter)

  1. Unpersönlich sind solche Verben, die kein Subjekt oder im Hochdeutschen das Pronomen es als Subjekt verlangen.

  2. Wird im Hochdeutschen der unpersönliche Bezug mit es hergestellt, so geschieht es im Niederdeutschen mit

    1. dat

      1. bei den Witterungsverben, z.B.

        Dat regent. Es regnet.

      2. wenn es im Hochdeutschen zur Betonung durch das ersetzt werden kann, z.B.

          Dat passeert. Es (das) passiert.
        Dat geiht scheef. Es (das) missglückt.
                Dat höört sik nich. Es (das) gehört sich nicht.  

    2. do/dor/nu, wenn es im Hochdeutschen durch da (temp.), nun ersetzt werden kann, z.B.

      Do/dor/nu dörv nich smöökt warrn.
      Es (nun) darf nicht geraucht werden.

    3. dor/hier, wenn es im Hochdeutschen durch da (loc.), dort, hier ersetzt werden kann, z.B.

      Dor/hier dörv nich smöökt warrn.
      Es (da/dort/hier) darf nicht geraucht werden.

    4. man/een, wenn es im Hochdeutschen durch man ersetzt werden kann, z.B.

      Man/een fraagt sik, wat dat wohr sien/wesen/ween kann.
      Es (man) fragt sich, ob das wahr sein kann.

      Nachbemerkung:

      Die vorgenannten Regeln gelten auch, wenn es ein bloßes Korrelat (Bezugswort) des Subjekts ist, das der Satzeinleitung dient, um die spätere Nennung des Subjekts zu ermöglichen, z.B.

      Dor weer mal en olen Fischer ...
      Es (da) war einmal ein alter Fischer …
      Dor passeert en Malör.
      Es (da) geschieht ein Unglück.

  3. Wie im Hochdeutschen werden Verben, die

    1. eine Natur- und Witterungserscheinung

    2. einen Mangel

    3. ein Ereignis

    bezeichnen, unpersönlich gebraucht z.B.

    zu (a): Dat regent, donnert, freert/früst …
    Es regnet, donnert, friert …
    zu (b): Dat fehlt/mangelt em an Moot.
    Es fehlt/mangelt ihm an Mut.
    zu (c): Dat is em eenfach passeert.
    Es ist ihm einfach passiert.

    Daneben ist wie im Hochdeutschen persönlicher Gebrauch (Gebrauch mit einem Subjekt) möglich:

    He donner mit sien Motoorrad los.
    Er donnerte mit seinem Motorrad los.
    De Moot hett em fehlt.
    Der Mut hat ihm gefehlt.
    En Unglück is passeert.
    Ein Unglück ist geschehen.

  4. Bei den Verben der körperlichen Empfindung und der Gemütsbewegung ist der unpersönliche Gebrauch eingeschränkt:

    1. Kann ein Verb in der derselben Bedeutung persönlich und unpersönlich gebraucht werden, wird Ersteres vorgezogen, z.B.

      Ik freer. Ich friere.
      Selten: Mi früst. Mich friert.
      Ik gro/gru mi. Ich grause mich.
      Selten: Dat groot/gruut mi. Es graust mir/mich.

    2. Nur unpersönlich, aber selten werden gebraucht die Verben:

      dregen trügen
      duern dauern (im Sinne von leidtun)
      dünken scheinen, meinen
      jammern jammern (im Sinne von leidtun)
      rüen reuen (im Sinne von leidtun)
      swiemeln schwindeln (im Sinne von schwindelig sein)
      swinneln schwindeln (im Sinne von schwindelig sein)
      verdreten verdrießen
      woormen wurmen

      Dat drüggt mi. Das trügt mich.
      Dat duert mi. Das tut mir leid.
      Dafür aber meistens: Dat beduer ik. Das bedaure ich.
      Dat dücht mi. Es scheint mir.
      Dat jammert mi. Es jammert mich (tut mir leid).
      Dafür aber meistens: Dat deit mi leed. Das tut mir leid.
      Dat rüüt mi. Es reut mich.
      Dafür aber meistens: Dat beduer ik. Das bedaure ich.
      Dat swiemelt/swinnelt mi in’n Kopp. Es schwindelt mir im Kopf.
      Dat verdrütt mi. Das verdrießt mich.
      Dat woormt mi. Es wurmt mich.

    3. Nur persönliche Umschreibung findet sich im Niederdeutschen, wo hochdeutsch die Verben bangen, dürsten, hungern noch unpersönlich auftreten können, z.B.

      He is bang vör de Küll.
      Es bangt ihm vor der Kälte. Er ängstigt sich vor der Kälte.
      Ik heff Döst.
      Es dürstet mich. Ich dürste. Ich habe Durst.
      Ik heff Hunger.
      Es hungert mich. Ich habe Hunger.

  5. Im Übrigen können auch im Niederdeutschen persönliche Verben unpersönlich mit dat für es gebraucht werden, z.B.

    Dat kloppt. Es klopft.
    Dat hett klingelt. Es hat geläutet.
    Dat gifft Larm. Es gibt Lärm.

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